Der erste Anlauf begann vor 75 Jahren. Die Praunheimer Katholiken brauchten eine neue Kirche, der bisherige Gottesdienstraum war zu klein geworden. Er umfaßte gerade einmal 85 qm, und die Zahl der Katholiken war durch den Bau der Siedlung und Westhausen von 300 auf 3000 angewachsen. Es war zwar nicht zu erwarten, daß alle neuzugezogenen Katholiken den Gottesdienst besuchen würden. Aber von den sogenannten Siedlungskatholiken (so wurden die Neuen von den Alteingesessenen genannt), kamen aber doch recht viele zu den Gottesdiensten. So planten die Alteingesessenen einen Neubau.

Damals baute der bekannte Kirchenarchitekt Martin Weber viele Gotteshäuser, auch der Bau in Praunheim wurde ihm übertragen. Nach langen Verhandlungen mit dem Ordinariat in Fulda - Praunheim gehörte noch zur Diözese Fulda und dem Ordinariat in Limburg - Praunheim sollte nach Limburg kommen. Aber keine der beiden Diözesen wollte die neue Gemeinde in Praunheim verantwortlich übernehmen. Es ging ums Geld, und das war damals knapp, knapper als heute. Pfarrer Michael Schmitt genierte sich nicht, Bettelbriefe in ganz Deutschland herumzuschicken, um den Bau finanzieren zu können. Die Leute hatten überall wenig Geld. Es herrschte große Arbeitslosigkeit und eine starke wirtschaftliche Flaute. Viele Menschen in der Gemeinde hatten nicht genügend zu essen. Die Gemeindecaritas unterstützte sie. Die Gemeindecaritas wurde von den Gemeindemitgliedern gebildet, die zu 60-70 Prozent Arbeiter waren und selbst nicht viel hatten.

Das Wunder geschah: Die Kirche wurde gebaut, und die Katholiken weihten sie dem Christ König. Am 20.12.1930 wurde die Kirche gesegnet, noch nicht geweiht, denn sie war als Notkirche konzipiert worden und sollte später, wenn der Gesamtbau laut Entwurf vollendet war, als Gemeindesaal dienen. Zur Einsegnung sang der Chor aus Niederrad. Tausende Katholiken aus Frankfurt kamen zum Festgottesdienst. Man hielt zusammen, denn das Klima war für die Katholiken nicht gut. Frankfurt war mehrheitlich reformiert, und die alte Überheblichkeit war noch vorhanden. Das ist heute anders. Heute sind Katholiken und Protestanten in Frankfurt zahlenmäßig in etwa gleich. Schwere Zeiten für Christen waren es auch in der Nazi-Diktatur. Durch Repressalien wurde versucht, das Gemeindeleben zu unterbinden. Pfarrer wurde in dieser Zeit August Thielemann, der die Gemeinde von 1939 bis 1959 leitete.

Am Christkönigssonntag, dem 20. November 2005, gedachte unsere Gemeinde der 75. Wiederkehr der Einsegnung. Eine kleine Festschrift wurde erstellt und zum Preis von 1 ¤ angeboten. Es sind nur noch wenige Exemplare da.

Das war die erste Rate von Christkönig. Die zweite folgte 1956 durch die Erweiterung und 1975 durch die totale Neugestaltung. Übrigens: Man muß die Feste feiern, wie sie fallen und darf keines auslassen, sonst ist unser Leben nicht mehr feierlich.

Pfr. Josef König †

100 Jahre katholischer Gottesdienst

am 2. Dezember 1906, vor einhundert Jahren, wurde in Praunheim erstmals seit der Reformation wieder eine katholische Messe zelebriert. Erst im Rückblick wird bewusst, dass die Stadt Frankfurt nach der Reformation evangelisch war. Wer damals katholisch war, musste mit seinem Fürst die Konfession wechseln oder das Land verlassen. In katholischen Gebieten war es umgekehrt. Erst mit der Landflucht und der Industrialisierung kam dann eine große Anzahl von Katholiken aus dem Umland nach Frankfurt. Es waren kleine Leute. Aber sie hatten Ihren Glauben und den Wunsch, diesen Glauben vor Ort leben zu können. Darum setzten sich die Praunheimer Katholiken für einen Gottesdienst vor Ort ein. Dieser Gottesdienst fand in der damaligen Graeb’schen Villa statt, die für die folgenden Jahre für die Praunheimer Katholiken zum Betsaal wurde. Heute befinden sich auf diesem Grundstück die Praunheimer Werkstätten.

Im Lauf der Jahre sind aus den ländlichen Katholiken Großstädter geworden. Aber sie blieben nicht allein. Durch den Bau der May-Siedlung wurden in den 20-er und 30-er Jahren ein neues großes Zuzugsgebiet eröffnet, das auch ein weiteres Anwachsen der katholischen Gemeinde zur Folge hatte. Die katholische Christ-König-Kirche wurde – zunächst als Notkirche - gebaut. Weitere Zuzugswellen kamen mit den Heimatvertriebenen nach dem Krieg und den so genannten „Gastarbeitern“ in den 60-er Jahren. Die und die Katholiken anderer Muttersprache bilden heute einen wichtigen Teil der Gemeinde. Das Gebäude Christ-König ist mitgewachsen: die Notkirche wurde zur „richtigen“ Kirche, 1960 kam die Kita  hinzu, 1975 das Gemeindezentrum.

Und wie wird die Zukunft aussehen? Es ist nun nicht mehr mit Zuzugswellen zu rechnen, die die katholische Gemeinde vergrößert. In Frankfurt liegt der christliche Anteil der Bevölkerung bei 50%, davon ist ein starkes Viertel katholisch und ein knappes Viertel evangelisch. Neben den Austritten ist das größte Problem, dass immer weniger Kinder getauft werden. Entsprechende Rückgänge in den Kirchensteuern zwingen die Kirche zum Sparen. In der Diskussion sind Zusammenlegungen mit anderen Gemeinden. Für uns ist ein  Zusammengehen mit den Gemeinden in Bockenheim, Rödelheim und Hausen im Gespräch

Die Zukunftsaufgaben stellen sich für die Christen gemeinsam und stadteilübergreifend. In der Zeitung lese ich von Kindern in Deutschland, die misshandelt und getötet werden, von Schwangerschaftsabbrüchen, von der gesetzlichen Einführung der Euthanasie in den Niederlanden, von Terroranschlägen an immer mehr Orten, von Entlassungen bei Betrieben die Rekordgewinne machen.

Die Katholiken werden zu einem deutlicheren Zeugnis ihres Glaubens und ihrer Lebensweise herausgefordert. Grundlage dafür ist das Evangelium Jesu Christi. Dass dieses Evangelium auch in Praunheim vor Ort weitergegeben wird, das verlangt Eigeninitiative. Vor hundert Jahren genauso wie heute.